Handbuch Kostensenkung
Methoden, Fallstudien, Konzepte und Erfolgsfaktoren
Elben, H./Handschuh, M. (2004)
Das Handbuch Kostensenkung ist allen Managern und
Finanzexperten zu empfehlen, die ihre Kosten in den Griff
bekommen wollen, ohne an der falschen Stelle zu sparen.
In Zeiten massiven technologischen Wandels und globaler Wettbewerbsintensität stehen viele Unternehmen mit ihren bestehenden Strukturen vor der Herausforderung, Kosten schnell und substanziell zu senken. Profitables Wachstum ist auch in dieser Zeit möglich, wenn Unternehmen sich konsequent an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren und diese so kostengünstig wie möglich bedienen. Die Kostensenkung muss kontrolliert und konsequent durchgeführt werden. Oft werden Kosten willkürlich nach der Rasenmähermethode gesenkt, ohne dass man sich über die Konsequenzen Gedanken macht. Wird beispielsweise bei der Kürzung des Marketing-Messeetats bedacht, dass dadurch Kundennähe verloren geht und die Konkurrenz an Sichtbarkeit gewinnt? Wird bei der Reduzierung von Qualitätsstandards das Risiko berücksichtigt, Kunden zu verärgern?
Statt kurzsichtige Sparmaßnahmen zu ergreifen, kommt
es darauf an, die
richtigen Hebel der Kostenoptimierung anzusetzen,
um profitables Wachstum und eine Steigerung des Unternehmenswertes
zu erzielen.
Solche Hebel sind z.B.:
- Größenvorteile
nutzen (Economies of Scale):
Eine größere Produktionsmenge senkt die Stückkosten,
erlaubt den wirkungsvollen Einsatz von vollautomatischen
Fertigungsverfahren, senkt die Beschaffungskosten und lässt
größere Werbeetats zu.
- Leistungsangebot
fokussieren:
Eine Konzentration auf rentable Produkte und Dienstleistungen
verschafft Kostenvorteile. Bedient werden sollten attraktive
Kundensegmente und produziert werden sollte nur, was der
Kunde zu zahlen bereit ist. Die Schwerpunkte müssen
dort gesetzt werden, wo Wert generiert wird.
- Verbundvorteile
nutzen (Economies of Scope):
Produktvielfalt ist rentabel, wenn Ressourcen und Kompetenzen
gemeinsam genutzt werden. Ein Beispiel hierfür ist
die Plattformstrategie in der Automobilindustrie, bei der
verschiedene Modelle auf der Basis identischer Komponenten
hergestellt werden.
- Partnerschaften
etablieren:
Dies reicht von punktueller Zusammenarbeit über Joint
Ventures bis zu Fusionen. Kostenvorteile entstehen u.a.
durch Bündelung von Aktivitäten, Vermeidung von
Doppelarbeit, Übertragung von Aktivitäten an Partner
mit der besten Kostenposition und Zusammenarbeit bei Forschung
und Entwicklung oder interner Services.
- Standortvorteile
erzielen:
Neue Kommunikationsmöglichkeiten via Internet machen
Unternehmen weltweit mobil. Folglich verliert die lokale
Präsenz teilweise an Bedeutung und es ergeben sich
Potenziale für die Verlagerung von Funktionen ins kostengünstigere
Ausland (Offshoring). Auch die Ansiedelungen an regionalen
Standorten, in denen spezifisches Know-how verdichtet ist,
(so genannte Cluster) bieten Kostenvorteile. Wichtig hierbei
ist die Berücksichtigung der Vollkosten - also auch
aller Kosten für Reisen oder Qualitätssicherung.
- Prozesse
effektiver und effizienter gestalten:
Es ist zu prüfen, ob tatsächlich alle Aktivitäten
notwendig und optimal gestaltet sind. Ansatzpunkte zur Steigerung
der Prozesseffektivität und -effizienz liegen in der
Optimierung der Kapazitätsauslastung, in der Bewertung
und Bündelung von Aktivitäten, in der Beschleunigung
und der Automatisierung von Prozessen, in der optimalen
Ressourcenverteilung und der Schnittstellenoptimierung.
Generell müssen ruinöse Preiskämpfe vermieden werden. Besser ist es, nicht die Preise, sondern die Qualität oder bestimmte Zusatzleistungen in den Vordergrund der Marketingstrategie zu rücken. Eine wirkungsvolle Kostensenkung behält den Kundennutzen stets im Blick. Wachstum entsteht dann, wenn der Kundennutzen höher ist als der Preis und der Preis höher ist als die Kosten.

Quelle: Handbuch Kostensenkung Methoden, Fallstudien, Konzepte und Erfolgsfaktoren
Eine unabdingbare Voraussetzung für eine Kostenoptimierung ist umfassende
Kostentransparenz über die gesamte Wertschöpfungskette.
Dabei stehen alle Unternehmensbereiche und alle Abteilungen
auf dem Prüfstand. Die Unternehmensleitung
muss eine überzeugende Geschäftsstrategie formulieren,
kostenbewusst agieren und sich für Transparenz stark
machen. Partikularinteressen von Geschäftsfeldleitungen
sollten durch übergeordnete Kostentransparenz und Anreize
für Synergienutzung im Zaum gehalten werden. In Forschung
und Entwicklung hilft ein effektives Innovationscontrolling,
das nicht das technisch Machbare, sondern das am Markt Durchsetzbare
in den Mittelpunkt stellt. In der Beschaffung
ist die Ausnutzung von Standardisierungsvorteilen gefragt.
Es ist z.B. festzustellen, wie viele Lieferanten ein Unternehmen
tatsächlich braucht. In der Produktion
können durch strategische Entscheidungen wie Standortwahl,
Make-or-Buy und die Nutzung neuer Technologien Kostenvorteile
erzielt werden.
Das strategische Marketing steuert
Vertriebsziele über die Identifikation lohnender Zielmärkte.
In einem optimalen Vertrieb sind
Zuständigkeiten klar abgegrenzt, Vertriebskanäle
aufeinander abgestimmt und Kundeninformationssysteme etabliert.
In der Distribution geht es um
die Optimierung der Fracht- und Lagerkosten. Im Kundenservice
lassen sich durch mehrstufige Betreuungskonzepte und gut
geschulte Mitarbeiter Kosten optimieren. Im Bereich Controlling
ist zu überlegen, ob Daten korrekt erhoben werden und
ob die definierten Kennzahlen aussagekräftig sind und
sich zur Steuerung eignen. Es muss das Ziel sein, das Berichtswesen
zu standardisieren und weitgehend zu automatisieren. Nur
das kann wirksam gesteuert werden, was transparent gemessen
wird. Mehrstufige Konzepte in der Berichterstellung stellen
sicher, dass jeder die für ihn notwendigen Informationen
erhält. Ein Ansatzpunkt zur Kosteneinsparung im Bereich
Human Resources kann die Auslagerung
von administrativen Diensten und die Optimierung von leistungsbezogenen
Anreizsystemen sein. Darüber hinaus ist zu prüfen,
ob die IT-Abteilung kostenoptimiert
arbeitet, z.B. mit Hilfe einheitlicher Hard- und Software
sowie der Ausschreibung eingekaufter Dienstleistungen.
Die Autoren Elben und Handschuh weisen explizit darauf hin,
dass für eine langfristige Kostensenkung ein methodisches
und geplantes Vorgehen unbedingte Voraussetzung ist. Hierfür
halten sie besonders Kostentransparenz, eine umfassende
Prozessanalyse zur Identifikation von Kernprozessen, ein
systematisches Benchmarking und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess
für absolut notwendig. Weitere Instrumentarien sind
die Overhead Cost Reduction, das Outsourcing, das Komplexitätsmanagement,
das Target Costing und das Investitionsmanagement. Die Voraussetzung
für eine gelungene Umsetzung sämtlicher Maßnahmen
ist die Definition klarer Etappenziele sowie eine fortlaufende
Kontrolle der Projektschritte. Ernst gemeinte Kostenoptimierungen
stehen immer im Spannungsfeld von Veränderung und Kontinuität
und erfordern stets die Steuerung des Wandels. Elben und
Handschuh empfehlen die Maxime: "Sag, was du tust,
und tue, was du sagst." Gehen Sie Kostensenkung aktiv,
systematisch und transparent an und vernachlässigen
Sie dabei die weichen Faktoren nicht. Dies schafft Vertrauen
bei Mitarbeitern wie auch bei Kunden und Investoren - und
sichert die Zukunft Ihres Unternehmens!
SAS® Bewertung:
Das Handbuch Kostensenkung überzeugt besonders durch
sehr ausgeprägte Praxisnähe und Umsetzbarkeit
der Konzepte! Darüber hinaus ist es verständlich
geschrieben und somit angenehm lesbar.
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