Prozessmanagement
umsetzen
Durch nachhaltige Prozessperformance
Umsatz steigern und Kosten senken
Horváth & Partners (2005)
Dem Buch „Prozessmanagement umsetzen“
von Horváth & Partners liegt ein umfassender
Prozessmanagementansatz zugrunde, der von der strategischen
Prozesspositionierung über Prozesstransformationsprojekte
bis zum Prozess-Controlling und zur notwendigen IT-Unterstützung
reicht.
Die Fähigkeit, Prozesse zu managen, sichert dauerhaften
Erfolg, da die Gestaltung von Geschäftsprozessen und
deren Performance Umsatz und Kosten beeinflussen. Für
nachhaltigen Erfolg müssen Unternehmen die Optimierung
von Prozessen zu einem dauerhaften Steuerungsthema machen.
Prozesse müssen sicherstellen, dass ein Unternehmen
relevante Markttrends erkennt, Zielkundengruppen optimal
anspricht, die Leistungserstellung mit höchster Effizienz
organisiert und den Ressourceneinsatz optimal organisiert.
Ein Prozess muss sich entsprechend den an ihn gestellten
Kosten-, Zeit- und Qualitätsanforderungen ausrichten.
Dies wird als Prozessperformance bezeichnet. Unternehmen,
die nicht alle Möglichkeiten optimaler Prozessgestaltung
nutzen, lassen Kostensenkungspotenziale brachliegen. Das
Prozessmanagement umfasst kontrollierende Maßnahmen
zur zielorientierten Steuerung der Wertschöpfungskette.
Unternehmen, die ihre innovations-, vertriebs- und kundenbezogenen
Prozesse nicht gemäß ihrer Strategie sowie den
Herausforderungen des Marktes ausrichten, verzichten dabei
auf Umsatz und Wachstum.
Ansätze zur Steigerung der Prozessperformance:
- Organisationsansätze:
- Business Process
Reenginerring (BPR) beinhaltet das fundamentale
Überdenken aller Aufgaben und Abläufe sowie
die radikale Umgestaltung von Geschäftsprozessen.
Ausgangspunkt hier sind die Anforderungen der Kunden.
BPR konzentriert sich auf die optimale Gestaltung
unternehmensinterner Prozesse.
- X-Engineering fokussiert
mehr auf die effiziente Gestaltung unternehmensübergreifender
Prozesse. Diese werden mithilfe von IT-Plattformen
integriert. Hierbei wird eine massive Senkung der
Transaktionskosten in Aussicht gestellt. Das X-Engineering
konzentriert sich auf die Handlungsfelder Zerlegung
der Wertschöpfungskette, Outsourcing interner
Funktionen und Konzentration auf Kernkompetenzen und
den Einsatz moderner IT und deren Nutzung zur Unternehmensvernetzung.
- Geschäftsprozessoptimierung
ist stark bottom-up, partizipativ und teamorientiert
geprägt. Der Fokus liegt auf Prozessverbesserungen
innerhalb der bestehenden Organisation und erfordert
die Beteiligung der Mitarbeiter und die Kenntnis des
Ist-Prozesses. Die Optimierung wird oft von Teams
durchgeführt.
- Restrukturierung
- bedeutet die Veränderung von Geschäftsmodellen
und oft auch eine finanzielle Umgestaltung. Restrukturierung
beinhaltet die neue Konzipierung vorhandener Prozesse,
die Gestaltung neuer Prozesse und das Outsourcing
von Prozessen. Ziel ist in der Regel die Steigerung
der Organisationsperformance.
- Qualitätsmanagementansätze:
- Total Quality Management
(TQM) richtet sämtliche Prozesse eines Unternehmens
auf die Kunden aus, damit Qualität nicht nur
auf Produkte zu beschränkt ist. Die ständige
Verbesserung von Prozessen ist wesentlich für
das TQM. Unternehmen müssen Qualitätssteigerungen
bei gleichzeitiger Zeitreduzierung und Kosteneinsparung
durchführen. TQM wird über EFQM und ISO
9000 ff. bewertet und zertifiziert.
- Six Sigma
soll die Produktionsprozessqualität steigern.
Das Konzept besteht aus den Säulen Prozessoptimierung,
Prozessdesign und Prozessmanagement. Eine besondere
Ausprägung ist das integrierte Vorgehen zur Implementierung.
Diese Phasen sind das Identifizieren von Kernprozessen,
das Definieren von Kundenanforderungen, das Messen
aktueller Prozessperformance, die Identifikation von
Prozess-Performance-Potenzialen und das Steuern der
bereits implementierten Maßnahmen.
- Kaizen
hat zum Ziel, eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung
unter Beteiligung aller Mitarbeiter aufzubauen, damit
die externe und interne Kundenzufriedenheit gesteigert
wird.
- Planungs- und Steuerungsansätze
- Qualitatives
Prozessmanagement beinhaltet die Planung
und Steuerung von Prozessen. Es ist notwendig für
eine flexible und marktorientierte Unternehmensführung
und muss mit der Aufbauorganisation und dem finanziellen
Steuerungssystem verknüpft werden. Hierzu gehört
die Integration von Prozesskosten in das Rechnungswesen
und in die IT-Systeme.
- Prozesskostenmanagement
basiert auf der Methodik der Prozesskostenrechnung.
Diese ergänzt die Methodik zur Erfassung, Planung,
Steuerung und Verrechnung kostenstellenübergreifender
Prozesse. Prozesskosteninformationen sorgen für
Transparenz und zeigen, wie viele Ressourcen in welche
Prozesse fließen. Prozesskostenmanagement kann
als Grundlage für die innerbetriebliche Leistungsverrechnung
und für die Center-Steuerung genutzt werden.
Besonders die Steuerung von Produkt- und Kundenprofitabilität
ist oft erst auf der Basis von Prozesskosteninformationen
möglich.
Das Horváth & Partners-Konzept
zur Umsetzung des Prozessmanagements:
Dieses Konzept bezieht sich auf alle Prozesse eines Unternehmens
und erzielt eine umfassende prozessorientierte Gestaltung
und Steuerung von Unternehmen.

(Quelle: Horváth &
Partners, 2005: Prozessmanagement umsetzen, Stuttgart, S.
19)
Es lassen sich sechs Prozessbereiche
beschreiben: der Managementprozess, der Innovationsprozess,
der Supply Chain-Prozess, der Operations-Prozess, der Market
und Customer Relationship-Prozess und der Internal Services-Prozess.
Das Prozessmanagementkonzept steht auf zwei
Säulen:
- Prozesstransformation
über Restrukturierung und Geschäftsprozessoptimierung.
Die Erfolgsfaktoren der Prozesstransformation sind die
eindeutige Definition der Zielsetzung, die messbare Darstellung
des Wertbeitrags der Maßnahmen, die Herstellung
von Transparenz auf einem hohen Detaillierungsniveau,
die Sicherstellung des Supports aller Mitarbeiter, die
integrierte Planung der Vorgehensweise und die Kommunikation
von Veränderungen.
- Prozesssteuerung
als Verbesserung laufender Prozesse. Die Prozesssteuerung
beinhaltet:
- Prozesskostenrechnung:
Die Kosten für alle in Anspruch genommenen Ressourcen
des Anwendungsbereiches werden einbezogen und auf
die Prozesse verrechnet. Anwendungsfelder sind die
Prozessoptimierung, die Personal- und Kostenplanung,
die innerbetriebliche Leistungsverrechnung, die Kalkulation
und die Kunden- und Produktprofitabilität. Das
Analysepotenzial steigt mit der Anwendung eines Activity-Based
Costing-Ansatzes, da hier jeder einzelne Geschäftsvorfall
mit Prozesskosten bewertet wird. Die Auswertung der
Geschäftsvorfälle, die im Data Warehouse
abgelegt sind, ermöglicht die Darstellung einer
Vielzahl potenzieller Kostenobjekte, die Integration
der Prozesskosteninformationen in das kurzfristige
Profitabilitäts-Reporting, eine automatische
Aktualisierung der Kostentreiber und die Abbildung
ungenutzter Kapazitäten. Das ABC lässt sich
mit den Methoden der Process Intelligence (z.B.: Clusteranalyse)
entscheidungsunterstützend analysieren.
- Steuerung
der Kunden- und Produktprofitabilität:
Transparenz wird wesentlich über Deckungsbeiträge
erreicht. Auch die Prozesskostenrechnung lässt
sich hierfür in die Deckungsbeitragsrechnung
integrieren. Die Ergebnisrechnung kann sowohl aus
Kunden- als auch aus Produktsicht interpretiert werden.
- Prozesscontrolling:
Die Hauptaufgabe ist es, die Prozessperformance
messbar zu machen und die für die Prozesssteuerung
benötigten Informationen institutionalisiert
bereitzustellen. Es müssen finanzielle Größen
(Kosten) und nichtfinanzielle Größen (Zeit
und Qualität) beachtet werden. Das Prozess-Controlling
beinhaltet auch die Planung der zur Prozessdurchführung
benötigten Kapazitäten und Budgets.
- Messung der
Prozessperformance durch IT-Systeme: Anforderungen
an IT-Systeme sind: zeitnahe Berichterstattung und
Darstellung der relevanten Kennzahlen, hohe Performance,
Datenintegration, integrative Sicht auf die Unternehmensprozesse,
Datentransformation durch die Definition neuer Kenngrößen,
Implementierung neuer Basissysteme und Bearbeitung
eines großen und inhomogenen Adressatenkreises.
Die IT-Architektur kann über eine integrierte
Plattform auf der Basis eines Data Warehouse aufgebaut
werden. Dabei müssen der Umfang und die Komplexität
des Inhaltes sowie das Datenaufkommen bestimmt werden.
Erfolgsfaktoren hierfür sind die Sicherstellung
der Datenqualität und Datenverfügbarkeit,
die Adressatenflexibilität, die Benutzerakzeptanz,
die Leistungsfähigkeit des Systems und die Sicherstellung
des laufenden Systems. Eine IT-Lösung für
das Prozesskostenmanagement muss nahtlos in eine vorhandene
Kostenrechnungsumgebung integrierbar sein und alle
notwendigen Verrechnungen abbilden können.
Prozesstransparenz
ist die wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren
der Prozesstransformation und -steuerung. Die Prozessanalyse
dient dabei dem Qualitätsmanagement (Standardisierung
und Dokumentation der Prozesse), der Kostenrechnung (Integration
der Kalkulation), der Unterstützung der Ablauforganisation
(Optimierung der Prozessabläufe) und der Einführung
komplexer IT-Systeme (Ausrichtung der IT-Systeme auf Prozessspezifikationen).
Das Streben nach Best Practice-Werten verleiht
dem Benchmarking einen festen Platz im Prozessmanagement.
Hierbei muss sich das Unternehmen überlegen, ob besser
internes Benchmarking (innerbetrieblicher Vergleich) oder
externes Benchmarking (außerhalb des eigenen Wissenshorizonts)
anzuwenden ist. Prozess-Benchmarking dient der Zielfindung
sowie der Prozessgestaltung.
Erfolgsentscheidend beim Prozessmanagement
sind die Steuerungskompetenz, die klare Definition von Schnittstellen,
die Spezifikation von Prozess-Levels und die Messbarkeit
der vereinbarten Performance-Größen. Die Elemente
des Prozessmanagements müssen in einem prozessorientiert
ausgerichteten Planungs-, Steuerungs- und Managementkonzept
Eingang finden, damit das Erfolgspotenzial voll ausgeschöpft
wird.
SAS Bewertung
Das Fachbuch „Prozessmanagement
umsetzen“ gewinnt durch die Beschreibung zahlreicher
Fallstudien an Praxisbezug und bestätigt so die Umsetzbarkeit
des Konzepts. Die Umsetzung von Prozessmanagement steht
eindeutig im Mittelpunkt. Hiervon ausgehend werden die einzelnen
Ebenen sinnvoll heruntergebrochen und detailliert beschrieben.
Die Gedankenschritte für ein funktionierendes Prozessmanagement
lassen sich so beim Lesen gut nachvollziehen.
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