Kundenprofitabilität
messen und steuern
Das hohe Umsatzplus, das ein Unternehmen mit einem Kunden
generiert, muss nicht zwingend bedeuten, dass dieser besonders
profitabel ist. Allerdings sind nichtprofitable Kunden oft
die interessanteren: Denn bereits kleine Veränderungen
im Management der Kundenbeziehungen können deutliche
Ertragssteigerungen bewirken. Nur wer die genaue Profitabilität
jedes einzelnen Kunden kennt, kann eine maßgeschneiderte
Marketing-Strategie entwickeln.
Sich für die Weltmeisterschaft zu rüsten, ist
für den Kunden kein Kinderspiel: Langärmlig oder
kurzärmlig? Die teure Qualität, die auch mit den
kostbaren Leibern der auserwählten Spieler in Berührung
kommen darf oder doch lieber die günstigere Ausführung?
Oder ist ein Schal doch ausreichend? Es ist für Marketingexperten
nicht minder schwierig, dem wählerischen Kunden die
Qual der Wahl seinen Vorstellungen entsprechend zu erleichtern,
individuelle Bedürfnisse anzusprechen und dabei profitabel
zu arbeiten. Denn kein Kunde ist wie der andere –
schon gar nicht, was seine Profitabilität angeht. Das
gilt auch, wenn zwei Kunden die gleichen Produkte zur gleichen
Zeit kaufen. Zwar ist der Umsatz identisch, nicht jedoch
die Kosten, die dem Unternehmen durch den Kauf entstehen:
Verzögern die Kunden das Bezahlen der Rechnung? Beschweren
sie sich nach dem Kauf beim Unternehmen, nehmen sie die
Service-Hotline intensiv in Anspruch? Hier wird deutlich,
dass verschiedene Kunden unterschiedlich hohe Kosten verursachen
– somit differenziert auch der Wert eines Kunden für
das Unternehmen. Der Marketing-Controller ist gefordert,
die von den einzelnen Kunden verursachten Kosten in Relation
zu Umsatz und Potenzial zu setzen. Auf dieser Basis kann
das Management Strategien entwickeln, die die Kundenprofitabilität
erhöhen – zum Beispiel durch eine andere Form
von Service, gezieltes Marketing für profitablere Produkte
oder eine Umstrukturierung der Logistik. Außerdem
sind Unternehmen in der Lage, ihre Preise profitorientierter
zu gestalten, wenn sie ihre Kostenstrukturen genau kennen.
Wettbewerbsvorteil: Transparenz
Business-Intelligence-Anbieter wie SAS bieten strategisch-analytische
Lösungen an, mit denen sich die Profitabilität
einzelner Kunden exakt berechnen lässt. In einem Data
Warehouse werden sämtliche Kunden- und Transaktionsdaten
unabhängig von deren Format aus den operativen Systemen
gesammelt, bereinigt und konsolidiert. Innovative Analyse-
und Prognosewerkzeuge greifen auf diese Datenbasis zu und
geben Auskunft über die gegenwärtigen und zu erwartenden
Umsätze, die ein Unternehmen mit den einzelnen Kunden
erzielt, aber auch deren Cross- und Up-Selling-Potential
oder Abwanderungsrisiko. Mit einer Lösung zur Prozesskostenanalyse
(SAS® Activity-Based Management) lassen sich genau die
Kosten beziffern, die durch die jeweiligen Kunden entstehen,
und den entsprechenden Erträgen gegenüberstellen.
Jeder Aufwand kann exakt dem Kunden zugeordnet werden, der
ihn verursacht hat. Die integrierten Prognose-Instrumente
ermöglichen dabei, die nötigen Aufwendungen zur
Steigerung der Kundenprofitabilität präziser zu
veranschlagen.
Falsche Schlüsse –
Fehlschüsse
Herkömmliche Softwarelösungen versagen bei der
Berechnung der Kundenprofitabilität, weil die Gemeinkosten
nicht korrekt auf die einzelnen Produkte und Kunden umgelegt
werden: Sie gehen davon aus, dass der Ressourcenverbrauch
für das Herstellen und den Verkauf einer Ware direkt
proportional zur produzierten Menge ist. Die Gemeinkosten,
die sich nicht direkt einzelnen Produkten zuordnen lassen,
etwa für Marketing, Logistik, Vertrieb oder das Lager,
werden abhängig vom erzielten Umsatz auf die einzelnen
Güter umgelegt. Auf diese Weise entsteht ein falsches
Bild von der Kostenstruktur, denn es gibt keine direkte
Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Umsatzvolumen und
den angefallenen Kosten. In vielen Branchen übersteigen
die Gemeinkosten die Ausgaben für die eigentliche Produktion
– Automobilhersteller geben beispielsweise inzwischen
mehr Geld für Marketing und Verkauf als für die
Produktion eines Autos aus. Diese Gemeinkosten müssen
dem tatsächlichen Aufwand entsprechend auf die einzelnen
Kunden umgelegt werden, sonst entsteht ein verzerrtes Bild
von deren Profitabilität.
Exakte Prozesskostenanalyse
Das Prozesskostenmanagement berechnet die Kosten
nicht auf Basis der Produkte, sondern geht von den einzelnen
Aktivitäten aus, die für sämtliche Geschäftsprozesse
etwa in der Produktion oder im Vertrieb notwendig sind.
Diese Kosten werden dann den einzelnen Produkten oder Kunden
zugeordnet – und zwar über mehrere Kostenstellen
hinweg nach Maßgabe des Aufwands, der nötig ist,
um die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Dabei werden
die auf drei verschiedenen Ebenen anfallenden Kosten zusammengefasst:
Die „unit-level costs“,
etwa die Materialkosten oder der Aufwand für das Eröffnen
eines neuen Kundenkontos, lassen sich volumenabhängig
einfach und direkt einem einzelnen Kunden oder Produkt zuordnen.
Die „batch-level costs“
fallen unabhängig vom Umfang des Services oder des
durch einen Kunden generierten Umsatzes an und lassen sich
ebenfalls ohne Probleme Kunden oder Produkten zuschreiben.
So verursacht die Ausstellung einer Rechnung Kosten (für
Personal, Porto, Papier etc.) in einer Höhe, die nicht
durch den Rechnungsbetrag beeinflusst wird: Der Aufwand
bleibt der Gleiche, egal ob sich die Rechnung auf 1 oder
10.000 Euro beläuft. Entstehen durch das Schreiben
von 100 Rechnungen Kosten von 30 Euro, so verursacht jeder
Kunde gleichermaßen Ausgaben von 30 Cent. Im Gegensatz
zu den traditionellen Lösungen für die Kostenrechnung
werden beim Prozesskostenmanagement die Kosten den Kunden
also nicht proportional zum Kontostand, sondern dem tatsächlichen
Aufwand entsprechend direkt zugeordnet.
Komplexer ist die Zuordnung der „sustaining
costs“ oder Gemeinkosten: Wie kann
etwa der Aufwand für die Schaufensterdekoration zur
Weltmeisterschaft auf den einzelnen Kunden umgelegt werden?
Hier helfen die komplexen Verfahren der Prozesskostenanalyse,
mit denen es möglich ist, die Gemeinkosten den Geschäftsprozessen
und damit den einzelnen Kunden ursachengerecht nach dem
realen Ressourcenverbrauch zuzuweisen.
Die Prozesskostenanalyse basiert auf dem Grundgedanken,
dass sich in jedem Prozessschritt die Kosten der dafür
notwendigen vorbereitenden Aktivitäten summieren lassen:
Jede Tätigkeit „verbraucht“ Zeit und Mittel,
die für Handlungen im Vorfeld dieser Tätigkeit
aufgewendet werden. So entsteht eine Kausalkette, deren
letztes Glied der Kunde ist: Die kundenfernen Prozesse gehen
in der Berechnung der kundenorientierten Abläufe auf.
An der Spitze dieser Kalkulationspyramide steht der einzelne
Kunde: Das Unternehmen bekommt Auskunft darüber, welchen
individuellen Anteil die jeweiligen Kunden an den Kosten
sämtlicher Geschäftsprozesse haben. SAS® Activity-Based
Management schlüsselt alle Kostenarten auf und fasst
sie dort zusammen, wo der Aufwand entstanden ist.
Profitorientierte Preise
Transparenz in den Kostenstrukturen ermöglicht
es Unternehmen, die Gemeinkosten bei der Preisgestaltung
angemessen zu berücksichtigen. Daraus kann schnell
ein Wettbewerbsvorteil entstehen: Häufig sind Preise
nicht profitabel kalkuliert und das strategische Potenzial,
das in einer intelligent festgelegten Preisstruktur liegt,
bleibt ungenutzt. Viele Unternehmen räumen Rabatte
ein und starten Preisaktionen, ohne die Folgen für
die Kundenprofitabilität konsequent zu kalkulieren.
Die Lösungen zur Berechnung der Kundenprofitabilität
sorgen hier für mehr Flexibilität: Unternehmen
können damit beispielsweise die Preise für potenzielle
Neukunden zunächst niedrig ansetzen und später
gezielt erhöhen oder die Preise für loyale Stammkunden
mit niedrigem Abwanderungsrisiko höher zu kalkulieren.
Auch die Einführung neuer Produkte lässt sich
mit dem Wissen über die korrekten Kostenstrukturen
gezielter steuern: Direkt nach dem Launch werden die Preise
niedrig angesetzt und dann zum richtigen Zeitpunkt erhöht.
Wenn Unternehmen Prognoseverfahren und das stets aktuelle
Wissen um die Profitabilität des Einzelkunden miteinander
koppeln, ist es ihnen möglich, maßgeschneiderte
Strategien sowie ein optimales Beziehungsmanagement zu entwickeln
– und daraus einen Wettbewerbsvorteil zu erringen.
Autor: Martin Oesterer, Manager Competence Center Customer
Intelligence bei SAS
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